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1920 - 1940 Die Lehrkanzel für Elektrotechnik

Bereits 1884 versuchte das Professorenkollegium der Technischen Hochschule (damals das
kollektive Führungsorgan, vergleichbar mit dem heutigen Akademischen Senat) beim
k.k.Ministerium für Unterricht die Einrichtung einer Lehrkanzel für Elektrotechnik zu erwirken.
Dies war der Beginn eines jahrzehntelang fruchtlos gebliebenen, aber in regelmäßigen Abständen
immer aufs Neue begonnenen Unterfangens. Der letzte, schließlich erfolgreiche Versuch datiert
auf das Jahr 1917. Graz war inzwischen die einzige Technische Hochschule der Monarchie, an
der noch keine Lehrkanzel für Elektrotechnik eingerichtet war.

Weil seit der Errichtung des Neubaus der Technischen Hochschule (der heutigen "Alten Technik")
im Jahr 1888 bereits 30 Jahre vergangen waren, bestand auch eine besonders enge Verknüpfung
mit der Raumfrage: Ein weiterer Neubau war unausweichlich geworden. Die Vorarbeiten dazu
fanden noch in den letzten Kriegsjahren statt und unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkrieges
wurde der Bau der "Neuen Technik" in Angriff genommen, deren gesamter Südtrakt für die
Elektrotechnik vorgesehen war.

Mit Beginn des Studienjahres 1920/21 wurde Prof. Karl Koller als erster Ordinarius für Elektrotechnik
an die Technische Hochschule in Graz berufen. Koller war 1923 bis 1925 (und nochmals interimistisch
im Jahr 1938) Dekan der Abteilung für Maschinenwesen und 1926/27 Rektor magnificus. Mit seiner
Lehrkanzel bezog er im Jahr 1930 die Räume des heutigen Instituts für Elektrische Maschinen und
Antriebstechnik in der Neuen Technik.

Die Lehrkanzel für Elektrotechnik war seit ihrem Bestehen der Abteilung (ab 1928 Fakultät) für
Maschinenwesen zugeordnet, wodurch auch ihr wesentlicher Zweck charakterisiert war: Sie diente den
Studierenden des Maschinenbaus zur Vertiefung der Ausbildung im Elektromaschinenbau und in der
elektrischen Energiewirtschaft. Die allgemeine elektrotechnische Grundausbildung für die
Studierenden der übrigen Fakultäten verblieb bei der Lehrkanzel für Physik.

Das Lehrangebot der Lehrkanzel für Elektrotechnik betrug in der Regel zwischen 20 und 24
Wochenstunden pro Studienjahr. Die ersten elektrizitätswirtschaftlichen Vorlesungen wurden in diesem
Rahmen im Jahr 1935 vom damaligen Generaldirektor des städtischen Gas- und Elektrizitätswerkes in
Graz, Honorardozent Dipl.-Ing. Ernst Schobert, abgehalten.