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1940 - 1949 Die Abteilung Elektrotechnik und die Anfänge des Studiums
Nach der Ausschaltung des österreichischen Nationalrats wurde 1934 im Ständestaat ein
Sondergesetz über Maßnahmen an den Hochschulen erlassen, in dem die Verschmelzung der
Technischen Hochschule Graz mit der Montanistischen Hochschule Leoben zur "Technischen
und Montanistischen Hochschule Graz-Leoben" verfügt wurde. Im Zuge der Umsetzung dieses
Gesetzes wurde die Elektrotechnik an der Hochschule insofern aufgewertet, als die Fakultät für
Maschinenwesen in eine "Fakultät für Maschinenbau und Elektrotechnik" umbenannt wurde, die
auch nach der Rücknahme der Vereinigung der beiden Hochschulen im Jahr 1937 bestehen blieb.

Erstmals stand damit die Elektrotechnik - wenn auch nur im Namen - gleichwertig neben dem
Maschinenbau. Der Zweck: Man verfolgte - übrigens bereits seit 1896 - die Absicht, eine
Studienrichtung Elektrotechnik einzurichten, wozu organisatorisch entweder eine eigene Fakultät
(Abteilung) oder eine Unterabteilung einer Fakultät erforderlich war. Zur Bewältigung des
Lehrumfangs einer Studienrichtung war außerdem eine zweite Lehrkanzel notwendig, deren
Einrichtung bereits einmal (1930) vom Unterrichtsministerium zugesagt worden war, jedoch aufgrund
der Weltwirtschaftskrise 1931 wieder zurückgenommen wurde.

Inhaltlich brachte die Neubenennung der Fakultät für die Elektrotechnik keine Fortschritte, vielmehr
war sie an der Hochschule jetzt an vier Fakultäten vertreten: Neben der Lehrkanzel für Elektrotechnik
existierte an der Fakultät für Montanwesen (ehemals Montanistische Hochschule Leoben) eine
Lehrkanzel für berg- und hüttenmännische Elektrotechnik; die Fakultät für Bauingenieurwesen bot im
Rahmen ihrer Fachgebiete (= Wahlfachgruppen) Vorlesungen über elektrische Eisen- und
Straßenbahnen sowie über Wasserkraftanlagen an; die Elektrochemie war schließlich an der Fakultät
für Chemie angesiedelt.

Den eigentlich zentralen Schritt für die Elektrotechnik an der Technischen Hochschule brachte die
Eingliederung Österreichs ins Deutsche Reich: An der Fakultät für Maschinenbau und Elektrotechnik
wurde eine "Abteilung Elektrotechnik" eingerichtet, im Gefolge der Pensionierung Prof. Kollers im Jahr
1938 wurde eine zweite und dritte Lehrkanzel beantragt, genehmigt und im Lauf des Jahres 1940
besetzt. Die bisherige Lehrkanzel für Elektrotechnik wurde zu einem Lehrstuhl für Allgemeine
Elektrotechnik, die zwei neuen Lehrstühle für Elektromaschinenbau sowie für Elektroanlagen und
Hochspannungstechnik wurden im 3.Stock der Neuen Technik (im Bereich des heutigen Instituts für
Grundlagen und Theorie der Elektrotechnik) untergebracht.

Sofort wurde mit der Einrichtung der Studienrichtung Elektrotechnik, Zweig Starkstromtechnik
begonnen, und zwar nach reichseinheitlichen deutschen Studienvorschriften, die, da man wegen des
Neubeginns keinerlei Übergangszeiten benötigte, an der Grazer Hochschule als erster überhaupt im
Reich zur Anwendung kamen. Der eigentliche Start erfolgte im Frühjahr 1941 mit dem 1.Studien-
semester - im Frühjahr deshalb, weil nach deutschem Studienrecht 6 Monate Praxis oder
Lehrwerkstätte als Voraussetzung für die Inskription nachgewiesen werden mußten.

Infolge der Kriegsereignisse und des Zusammenbruchs des Deutschen Reichs wurde bis zum
Sommersemester 1946 nur der erste Studienabschnitt (4 Semester) angeboten, ab dem Studienjahr
1946/47 erstmals das dritte Studienjahr, im Jahr darauf das vierte etc., sodaß die ersten Absolventen
des damals neunsemestrigen Studiums schließlich im März 1949 ihre Abschlußprüfung absolvieren
konnten.