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1949 - 1975 Konsolidierung und Ausbau der Studienrichtung

Die Wiederentstehung Österreichs 1945 brachte formal die Außerkraftsetzung aller reichsdeutschen
Einrichtungen. Damit wurde aus den drei Lehrstühlen der Elektrotechnik wieder nur mehr eine
Lehrkanzel, der Bestand der Abteilung und somit des Studiums war gefährdet.

Zusätzlich war die personelle Situation aufs äußerste angespannt: Von den 3 Professoren der
Kriegszeit, Karl Schäfer, Anton Höpp und Johann Wierer, war Schäfer 1944 verstorben, aber nicht
mehr nachbesetzt worden, Wierer kehrte nach dem Krieg nicht mehr an die Hochschule zurück und
Höpp wurde im Spätherbst 1945 auf Anweisung der britischen Militärbehörden vom Dienst enthoben.

Die Studienrichtung konnte 1945 zunächst nur deshalb weitergeführt werden, weil die Fakultät
versprechen konnte, den eingerichteten ersten Studienabschnitt ohne Mehraufwand allein mit der
personellen Ausstattung von 1938 zu bewältigen und weil sich im Wintersemester 1945/46 unerwartet
viele Studenten (fast 200) zum Studium meldeten.

Die (Wieder-)Besetzung der 3 Lehrkanzeln dauerte dan bis 1950: 1947 wurde Prof. Oberdorfer als
Leiter der Lehrkanzel für Bau und Betrieb elektrischer Anlagen bestellt, 1949 Prof. Grabner auf die
Lehrkanzel für Allgemeine Elektrotechnik (und Elektromaschinenbau) berufen, 1950 Prof. Klaudy zum
Ordinarius für Grundlagen der Elektrotechnik und Theoretische Elektrotechnik bestellt. Grabner und
Oberdorfer, beide Österreicher, hatten in der Kriegszeit Professuren an der Technischen Hochschule
Berlin-Charlottenburg bekleidet und waren unmittelbar zu bzw. nach Kriegsende nach Österreich
zurückgekehrt. Sie bestritten ab 1945 bzw. 1946 bis zu ihrer Berufung die für die Studienrichtung
erforderlichen Lehrveranstaltungen in Form von Supplierungen.

Entsprechend der personellen Ausstattung ab 1950 konnte an der Technischen Hochschule Graz in
den 1950er Jahren nur die Fachrichtung "Starkstromtechnik" studiert werden. Seit 1959 war es möglich,
in Wahlplänen zwischen einer Betonung der Richtung "Bau und Betrieb elektrischer Anlagen sowie
Netzregelung" und einer Betonung der Richtung "Elektromaschinenbau, elektrische Antriebe sowie
Antriebsregelung" zu wählen.

Seit 1964 - mit der Einrichtung einer Lehrkanzel für Hochfrequenztechnik und Elektronik - konnte man
auch die Richtung "Nachrichtentechnik und Elektronik" als Wahlplan studieren.

Zwischen 1969 und 1974 - also in nur 6 Jahren - wurden 4 neue Institute gegründet: 1969 das Institut für
Nachrichtentechnik und Wellenausbreitung, 1972 das Institut für Elektro- und Biomedizinische Technik,
1973 das Institut für Allgemeine Elektrotechnik und Elektrische Meßtechnik und 1974 das Institut für
Regelungstechnik. Zusätzlich wurde nach der Emeritierung von Prof. Oberdorfer das formal schon in
den 1950er Jahren eingerichtete und seither immer von Oberdorfer mitbetreute Institut für
Hochspannungstechnik mit einem eigenen Ordinarius betraut.

Der aufgrund des Allgemeinen Hochschul-Studiengesetzes 1966 bzw. des Technik-Studiengesetzes
1969 eingeführte neue Studienplan ermöglichte das Studium in 5 Wahlfachgruppen, nämlich "Bau und
Betrieb elektrischer Anlagen", "Elektromaschinenbau", "Nachrichtentechnik und Elektronik",
Elektromedizin" sowie "elektrotechnische Grundlagenforschung".

Hand in Hand mit dem inhaltlichen Ausbau ging der räumliche und personelle. Schon Anfang der
1950er Jahre galten die Räumlichkeiten in der Neuen Technik als zu beengt. Insbesondere der
Betrieb des Hochspannungslaboratoriums in ungeeigneten Räumen führte auch zu sicherheits-
technisch bedenklichen Erscheinungen, etwa zu Induktionswirkungen auf die Wasser- und
Heizungsinstallationen. Prof. Oberdorfer, Gründer und fachzuständiger Ordinarius des Instituts für
Hochspannungstechnik, wurde so zum entscheidenden Motor für den weiteren Ausbau der
Elektrotechnik. Er legte schon in den 1950er Jahren Entwürfe für ein großes Hochspannungs-
laboratorium vor, das er ursprünglich am Gelände des heutigen Physikgebäudes in der Steyrergasse
errichten wollte. Nach diversen Verzögerungen wurden Anfang der 1960er Jahre die Gründe in der
Inffeldgasse als zukünftiger dritter Standort der Technischen Hochschule angekauft, an dem nach
damaliger Planung die gesamte Elektrotechnik angesiedelt werden sollte. Noch in den 1960er Jahren
wurden die Gebäude Inffeldgasse 12 und 18 errichtet, zu Beginn der 1970er Jahre bezogen und damit
der heutige Zustand hergestellt.

Die personelle Ausstattung der Elektrotechnik stieg von 3 Professoren mit 5 wissenschaftlichen
Mitarbeitern im Jahr 1950 auf 9 Professoren mit insgesamt fast 50 wissenschaftlichen Mitarbeitern
im Jahr 1975. Damit war der Aufbau der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Graz
weitgehend abgeschlossen.