Festrede von Vorstandsdirektor Bergrat h.c. Dipl.-Ing. Adolf Fehringer anläßlich Sponsionsfeier Technische Universität Graz

Sehr geehrter Herr Dekan (Prof. Dr. Rentmeister)
sehr geehrte Damen und Herren Professoren
sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren

meine Worte und Gedanken richten sich heute in erster Linie an die jungen Absolventinnen und Absolventen der Elektrotechnik sowie Telematik, die ich somit besonders herzlich begrüße!
Vorerst einmal meinen Glückwunsch dazu, dass Sie ein Studium gewählt haben, das in die Zukunft weist. Sie haben damit fürs Erste einmal Weitsicht bewiesen. Ich beglückwünsche Sie weiters zum erfolgreichen Abschluss dieses Studiums. Im Gegensatz zu anderen, die irgendwann auf dem Wege umgekehrt oder ausgestiegen sind, haben Sie Standfestigkeit und Durchhaltevermögen gezeigt. Das sind schon gute Voraussetzungen für das, was Sie draußen erwartet.
Ich kann mir vorstellen, dass Sie nach all den Jahren mit Ihren Gedanken eigentlich diese heiligen Hallen schon verlassen haben und das hier für Sie wie ein Film abläuft. Ich möchte Sie mit meinen Überlegungen auch gar nicht zurückholen sondern von einigen Dingen sprechen, die das Miteinander in einem Unternehmen prägen oder für das Miteinander wichtig sind.
Nun, ich rede da nicht über mein Glaubensbekenntnis in Führungsfragen. Ich verkündige auch keine neuen oder verfolgenswerten Führungsregeln. Worüber ich hier spreche sind schlicht und einfach einige Grundsätze, an die ich mich im Verlaufe meines Berufslebens gehalten habe oder - besser formuliert - die mir im Laufe der Zeit wichtig wurden.
Es sind 4 Aspekte, 4 Überzeugungen die ich Ih-nen in der Kürze der mir zur Verfügung gestellten Zeit näher bringen möchte.

Etwas was mir immer sehr wichtig war, das ist

  1. Die eigene Meinung Und diese nicht nur zu haben, sondern auch zu dieser Meinung zu stehen bzw. diese auch zu äußern.
    Irgend jemand hat die Steigerung des Luxus mit "eigenes Auto, eigenes Haus, eigene Meinung" definiert. Nun, ich meine, dass man sich zur eigenen Meinung zuerst einmal durchringen muss um diese dann zu verteidigen, um zu dieser dann zu stehen. Auch wenn es manchmal nicht gerade populär ist diese Meinung zu vertreten, und die Masse eine andere Meinung hat.
    Viktor Frankl hat übrigens gesagt: "Man geht in der Masse nicht auf sondern unter".
    Das kann aber nicht bedeuten, dass man seine Meinung nicht auch einmal aufgeben muss, wenn man erkennt, dass andere Argumente, andere Sichtweisen die Dinge eben in einem anderem Licht erscheinen lassen. Trotzdem, noch einmal, für mich ist die eigene Meinung etwas sehr Entscheidendes! Ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt in meiner Arbeit, in meiner Haltung als Führungskraft war und ist
  2. Die Langfristigkeit des Handelns Sie werden, rascher als Sie das für möglich halten, zu einer Führungskraft aufsteigen. Und als solche werden Sie nicht nur an Ihrer Teamfähigkeit, an der Führung der Gruppe, in der Kapazität Probleme zu lösen sondern auch in der Berücksichtigung und Miteinbeziehung langfristiger Aspekte in Ihre Lösungsansätze gemessen werden.
    Die Fehler oder das Fehlverhalten eines Mitarbeiters treten oft unmittelbar oder in einer überschaubaren Zeit zu Tage.
    Die Fehler einer Führungskraft oder des Managements - insbesonders was die strategische und langfristige Orientierung eines Unternehmens anlangt - werden oft erst nach Jahren offensichtlich und sichtbar.
    In einem Unternehmen droht die strategische Arbeit in der Regel von der operativen Arbeit verdrängt zu werden. Ich denke aber, dass diese Tätigkeit zu den wesentlichsten Aufgaben eines Managers gehört.
    Daher - je weiter in der Unternehmenshierarchie Sie hinaufsteigen - machen Sie es zu Ihren Gewohnheiten, ihre Überlegungen und Lösungsansätze in einem Kontext mit den langfristigen Zielen des Unternehmens zu sehen.
    Noch einmal - die Langfristigkeit im Denken zeichnet die Führungskraft aus und gehört zu den wesentlichsten Aufgaben eines Unternehmensleiters.
    Lassen sie mich auf einen weiteren, mir wesentlichen Punkt zu sprechen kommen - d.i.
  3. die Ethik im Wirtschaftsleben und da wiederum auf die menschliche Dimension oder unsere Verantwortung für unsere Mitarbeiter.
    Ich denke, dass Erfolg auf lange Sicht und auf breiter Basis nur dort zu halten ist, wo der Mensch im Mittelpunkt steht und unsere Verantwortung für seine Zukunft Priorität hat. Echte "Leadership" beruht auf Kompetenz und persönlicher Verantwortung bzw. der Bereitschaft, solche zu tragen.
    Aber nicht nur. Es geht eben auch um das fundamentale Interesse am Menschen, an unseren Mitarbeitern. Und dieser Aspekt schließt auch das Vertrauen in diese Mitarbeiter mit ein. Ich sage nochmals, ich gehe davon aus, dass Sie alle in kürzester zeit zu den Führungsleuten zählen werden. Wo immer Sie stehen, Sie werden eine Verantwortung für Mitarbeiter tragen. So grundlegend Wirtschaft und Politik sind, letztendlich sind sowohl die Wirtschaft als auch die Politik Dimensionen der Lebenswelt des Menschen. Ich komme zu meinem letzten Punkt, den ich Ihnen darlegen und ans Herz legen möchte.
  4. Universalität In den letzten Jahrzehnten hat des Spezialistentum die Universalität verdrängt.
    Das Elternhaus kann diese Universalität in den meisten Fällen nicht bieten, die Universität kann das auch nicht und die Unternehmen sind heute gewinnorientiert unterwegs, so dass da etwas zu kurz kommt. Wenn ich da höre, dass sich eine amerikanische Stiftung zum Ziel setzt, Leuten mit besonderer Begabung einen Halbjahres oder Jahresaufenthalt in Europa zu bezahlen, eben um diese Universalität, Europa als den alten Kontinent mit seiner Geschichte, seinen Traditionen und seiner Mentalität (auch sprachlichen) näher zu bringen, ist das für mich eine lobenswerte Einrichtung.
    Es ist ein Appell an die Führungskräfte selbst, aber auch an die Unternehmen, die Verbreiterung des Gesichtsfeldes ihrer Mitarbeiter zu fördern.....
Abschließend
Ich bin damit am Ende jener sehr persönlichen Botschaft die ich Ihnen aus meiner beinahe 40-jährigen Erfahrung mit auf Ihren beruflichen Weg geben wollte.

Ich wünsche Ihnen auf diesem Weg viel Erfolg - Erfolg macht erfolgreich, sagt man
Weiters Glück - eine Portion Glück braucht jeder in seinem beruflichen Fortkommen
Aber auch Zufriedenheit - hadern Sie nicht mit dem Schicksal

GLÜCK AUF