Festrede von Dipl.-Ing. Dr.h.c. Roland Käfer, Alleinvorstand der ALSTOM Power Austria AG anlässlich der Sponsionsfeier am 4.12. 2003 an der Technischen Universität Graz

Spektabilis, Professores, geschätzte Eltern und Angehörige, liebe AbsolventInnen

Ich bedanke mich bei den Verantwortlichen der TU Graz, dass sie mir Gelegenheit geben, aus Anlass dieser Sponsionsfeier einige Worte zu Ihnen sprechen zu dürfen.

Zunächst das wichtigste: herzliche Gratulation Ihnen allen zum erfolgreichen Abschluss des Studiums, und zur Erlangung des akademischen Grad eines Dipl.-Ing. Ich gratuliere aber auch der Universität als Institution, die ausgebildete Diplomingenieure dem Wirtschaftsleben unserer Landes zur Verfügung stellt und besonders dem Lehrkörper dieser Universität, den Professoren, Assistenten und administrativ Tätigen. Meine Dankesadressen wären unvollständig, wenn sie nicht die Eltern und Angehörigen der Absolventen enthielten, deren Mühen und Sorgen einen ebenso wichtigen Beitrag zum Gelingen des Studiums leisten. Viele dieser Angehörigen sind heute hier und erleben mit Freude den vorläufigen Schlusspunkt einer viele Jahre währenden Anstrengung.

Ich sage bewusst „vorläufiger Schlusspunkt“, da Sie mit dem Abschluss des Studiums zwar eine ganz wesentliche Voraussetzung für Ihr künftiges Berufsleben geschaffen haben, viele Anstrengungen und Leistungen aber noch vor Ihnen liegen.

Was erwartet Sie in der Wirtschaft ? Bevor ich den Versuch einer Antwort auf diese immer wieder gestellte Frage unternehme, mit der Sie etwas anfangen können, einige Bemerkungen zur wirtschaftlichen und politischen Lage weltweit, europaweit und in Österreich. Die Medien sind fast täglich voll mit Berichten über außergewöhnliche, meist negative Ereignisse. Die Weltwirtschaft dürfte sich nach einer doch sehr langen Phase der Rezession erholen, Europa hinkt hier immer etwas verzögert nach. Angesichts der tiefgreifenden politischen Veränderungen in Europa in den letzten 10 Jahren ist es erfreulich, wie relativ heil die europäische Wirtschaft diese Phase überstanden hat.
Politisch scheinen Amerika und Europa zu beginnen, auseinanderzutriften, der EURO beginnt zunehmend den Dollar als Globalwährung anzugreifen. Wenig Klarheit habe ich bezüglich der Gründe für die Vorkommnisse in den islamisch dominierten Gebieten, der 11. September dient häufig als Erklärung für massive Aktionen der westlichen Welt in den Krisengebieten, wie sie in den letzten Monaten in erschreckendem Ausmaß bekannt wurden.
All diese makropolitischen Ereignisse haben mikroökonomische Konsequenzen, die letztendlich für Sie, die sie in das Berufsleben einzutreten im Begriffe sind, von Bedeutung sind. Die überschwappende Welle der Telekommunikationstechnologien der letzten 10 Jahre scheint sich etwas zu beruhigen, wenn auch auf hohem ökonomischen Niveau stehend, zur Zeit beginnt man sich wieder mehr den Problehmen der Energietechnik zuzuwenden, nachdem die flächendeckenden Blackouts in Amerika und Europa gezeigt haben, dass die Energieversorgung technisch doch nicht so selbstverständlich sicher ist wie politisch dargestellt.

Was erwartet die Wirtschaft von Ihnen?

Allen diesen vergangenen und gegenwärtigen Entwicklungen gemeinsam ist die ständige und rasche Veränderung der Rahmenbedingungen, die auch Ihr künftiges Berufsleben bestimmen werden. Dank der breiten Basis der Grundlagenvermittlung an dieser Uni werden Sie im fachlichen Bereich keine Schwierigkeiten haben, ganz im Gegensatz zu all jenen Ausbildungseinrichtungen, die sehr schmale Tortenstücke des fachlichen Wissens vermitteln.
Fachliches Wissen allein ist aber nicht genug, um den Anforderungen der Praxis zu genügen. Auch das ist heute schon hinlänglich bekannt und findet in den Ausbildungsplänen der Technischen Universitäten einen gewissen Niederschlag. Diese über das spezifische Fachwissen hinausgehenden Fähigkeiten werden häufig als soziale und kulturelle Kompetenzen bezeichnet, auch als emotionelle Intelligenz, im angloamerikanischen Raum als Soft Skills. Gemeint sind u.a. Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Ausdauer, Mobilität, Organisationsfähigkeit etc. Jedem dieser Begriffe werden Sie in der Praxis immer wieder begegnen, sei es in einer zukünftigen Ausbildungsveranstaltung, an der Sie teilnehmen, sei es, dass man Ihnen einen Mangel an diesen Eigenschaften vorwirft.
Es hat jetzt wenig Sinn, auf diese wenig greifbaren Inhalte näher einzugehen. Für mich zählt zu den wichtigsten Eigenschaften in Ihrem zukünftigen Berufsleben die Fähigkeit zu unternehmerischem Handeln. Das beinhaltet viele der vorgenannten Begriffe, ist aber in drei einfachen Themen zusammengefasst:
Ziele identifizieren
Ziele vorgeben
Zielerreichung konsequent verfolgen
Ich glaube nicht, dass man diese 3 Fähigkeiten in einem unterrichtsmäßigen Vorgang lernen kann. Man kann sich diese aber durch harte Arbeit selbst aneignen und das sollten Sie permanent versuchen. Es ist das meine einzige Empfehlung für Sie aus dem bunten Strauß an Lebensregeln, die ich als älterer Mann der Wirtschaft Ihnen, dem Nachwuchs mit auf den Weg geben möchte.
Zuletzt noch einige Worte zum lebenslangen Lernen, das inzwischen schon zum Standard eines erfolgreichen Berufslebens gehört. Die Technische Universität Graz bietet Ihnen eine Fülle von Möglichkeiten dazu an, und diese sollten Sie aus drei Gründen nützen. Erstens hilft es Ihnen, zweitens helfen Sie der Universität, den Bezug zur Wirtschaft praxisnahe zu gestalten und drittens drücken Sie damit Ihre Verbundenheit zu jener Institution aus, der Sie vieles verdanken. Ich selbst bin ein gutes Beispiel dafür.
Zum heutigen Tage nochmals meine herzlichsten Glückwünsche und für die Zukunft viel Erfolg, vor allem aber Gesundheit.

Glück auf.