Festrede von Vorstandsdirektor Dipl.-Ing. Dr. Manfred Pinter, Energy Exchange Austria - EXXA anläßlich Sponsionsfeier Technische Universität Graz

Sehr geehrter Herr Dekan!
Liebe Jungakademiker!
Sehr geehrte Damen und Herren!


Wir sind heute in diesem schönen Rahmen zusammengekommen, um den erfolgreichen Abschluß eines Lebensabschnittes der hier versammelten frisch gebackenen Akademiker feierlich zu begehen. Es ist dies keine Selbstverständlichkeit mehr. Immer mehr junge Menschen lehnen diese Feierstunde ab, bezeichnen sie als unzeitgemäß und unnötig und holen sich ihre Urkunden und Zeugnisse lieber in einer Kanzlei ab.

Diese Haltung sollte uns sehr wohl zum Nachdenken anregen, und wir sollten uns fragen, warum das so ist. Zweifellos wäre es falsch, diese akademische Feier nur deshalb zu veranstalten, weil es sie immer gegeben hat. Gewohnheit ist kein sehr starkes Argument.

Es ist fast 35 Jahre her, daß ich selbst in diesem ehrwürdigen Raum in der ersten Reihe gesessen bin und in diesem feierlichen Rahmen mein Diplom erhalten habe und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, daß es ein schönes und erhabenes Gefühl war, im Mittelpunkt dieses Ereignisses zu stehen und anschließend die Glückwünsche der Eltern, Verwandten und Freunde entgegenzunehmen.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich aber unsere Gesellschaft und unser gesellschaftliches Umfeld sehr verändert. Insbesondere auf Äußerlichkeiten wird immer weniger Wert gelegt - vor allem von jungen Menschen. Ich habe auch durchaus ein gewisses Verständnis dafür, denn letztlich kommt es nicht primär auf Äußerlichkeiten an, sondern die inneren Werte eines Menschen. Aber andererseits finde ich es schön, wenn die Einstellung eines Menschen zu einem bestimmten Ereignis, z.B. einem Theaterbesuch oder eben der Abschluß eines nicht unwesentlichen Lebensabschnittes auch nach außen hin sichtbar wird.

Neben diesen Äußerlichkeiten ist es aber doch auch die Frage, welchen Wert man einer Veranstaltung wie dieser beimißt. Ich bin jedenfalls überzeugt, daß wir das Feiern von frohen Ereignissen genau so wichtig nehmen sollen, wie wir unsere Arbeit und unsere Verpflichtungen ernst nehmen müssen. Und daß der erfolgreiche Abschluß eines Studiums ein solcher Anlaß ist, steht wohl außer Zweifel.

Wenn ich von Veränderungen gesprochen habe, so muß ich auch auf die Veränderungen in unserer Arbeitswelt hinweisen. Was sich diesbezüglich in den letzten Jahren und bis heute abspielt ist vor allem für die Jugend, die voller Tatendrang in das Berufsleben eintreten will nicht erfreulich. Da hat es unsere Generation um einiges leichter gehabt.

Vor 20 oder 30 Jahren haben sich viele Firmen um die Studienabgänger der technischen Fachrichtungen gerissen und diese konnten meist unter mehreren attraktiven Angeboten wählen.

Heute ist dies leider anders. Der immer härter werdende Wettbewerb zwingt viele Unternehmen zu Rationalisierungsprogrammen, die fast immer damit beginnen, Personal abzubauen, bzw. kein neues Personal aufzunehmen.

Das ist aber auch eine sehr gefährliche Gratwanderung. Man darf nicht übersehen, daß früher oder später der Punkt kommt, wo in einem Unternehmen durch radikale Personaleinsparungen Wissen und Erfahrungen verloren gehen, wodurch dem Unternehmen längerfristig mehr Schaden zugefügt wird, als der kurzfristige Nutzen ausmacht.

Ich habe es einige Male erlebt, dass Unternehmen bei der Abwicklung von Aufträgen viel Geld verloren haben, da sie eingegangene Verpflichtungen nicht erfüllen konnten. Ich bin daher sehr zuversichtlich, daß sich die Chancen für junge Diplomingenieure, in absehbarer Zeit einen adäquaten Posten zu bekommen, verbessern werden. Und das umso mehr, als die technischen Studienrichtungen in den letzten Jahren von den Studenten weit weniger gefragt waren als es nötig wäre, um den langfristigen Bedarf zu decken.

Und damit komme ich zu Ihnen, meine jungen Freunde. Sie haben in den vergangenen Jahren mit Fleiß und harter Arbeit, hoffentlich auch in Verbindung mit den Freuden und den lustigen Seiten des Studentenlebens Ihr Ziel erreicht und werden heute als junge Diplomingenieure diesen Saal verlassen.

Auf diesen Weg möchte ich Ihnen einige Ratschläge aus der Praxis mitgeben.

Zu allererst, seien Sie flexibel, schauen Sie sich in der Welt um und machen Sie nicht den Fehler, schon jetzt den Beruf, die Firma zu suchen, bei der Sie nach 30 oder 40 Jahren in Pension gehen wollen. Die Zeiten, in denen langjährige Firmenzugehörigkeit das wichtigste Kriterium für berufliches Fortkommen war, sind bei den meisten Firmen vorbei. Im Gegenteil, Vielseitigkeit, Erfahrungen auf den verschiedensten Gebieten sind gefragt. In diesem Sinn sind Wanderjahre von großem Vorteil. Sie erweitern den persönlichen Horizont ungemein und sind einer beruflichen Karriere jedenfalls förderlich.

Flexibel sollten Sie auch sein, wenn Sie Ihre Karriere planen wollen. Es ist immer gut, wenn man klare Vorstellungen darüber hat, was man im Berufsleben erreichen will. Aber viele Jahre vorausplanen zu wollen, ist unmöglich und sinnlos. Zu rasch verändern sich die Randbedingungen, die einen Werdegang beeinflussen. Erfolgskriterien, die Sie beeinflussen können sind Fachwissen, Leistung und menschliche Integrität. Daneben gibt es aber ein Kriterium, das sich Ihrem Einfluß weitestgehend entzieht, nämlich zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu stehen. Hier spielt oft der Zufall die entscheidende Rolle. Ich habe das in meiner Berufslaufbahn mehrmals erfahren.

Den 2. Rat , den ich Ihnen mitgeben möchte: ruhen Sie sich nicht auf Erreichtem aus, sondern seien Sie bereit, immer wieder Neues dazuzulernen und sich weiter fortzubilden.

Das Sprichwort, "wer rastet der rostet" ist zwar schon sehr abgedroschen, aber es stimmt leider. Unsere Zeit ist so schnellebig geworden, daß wir nur schwer damit Schritt halten können. Die Wissensvermehrung schreitet unheimlich schnell voran, und Dinge, von denen man vor einigen Jahren nur träumen konnte, sind heute schon alltäglich geworden. Als Beispiel möchte ich nur den Telekommunikationsbereich erwähnen, der unser Leben in den nächsten Jahren in einer wahrscheinlich noch kaum abschätzbaren Weise verändern wird.

Und schließlich noch ein wichtiger Rat aus der Praxis: Als Akademiker sind Sie dafür prädestiniert, Führungspositionen einzunehmen. Sie werden dann nicht nur mit fachlichen Problemen konfrontiert werden, sondern auch mit den menschlichen Problemen und Sorgen Ihrer Mitarbeiter. Nehmen Sie diesen Bereich Ihrer Verantwortung mindestens genauso ernst, wie Ihre Entscheidungen auf der fachlichen Ebene.

Wenn Sie eine Gruppe, eine Abteilung oder ein ganzes Unternehmen leiten, so werden von Ihnen Ergebnisse erwartet, die Sie nicht mehr alleine erbringen können, sondern die von Ihnen und Ihren Mitarbeitern gemeinsam geleistet werden. Diese Leistungen werden aber nur dann zufriedenstellend ausfallen, wenn Sie motivierte Mitarbeiter haben, die gerne für Sie und Ihr Unternehmen arbeiten. Ihre Hauptaufgabe ist es dann, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß ein entsprechend gutes Arbeitsklima herrscht. Auch das will gelernt sein. Nur selten gibt es Vorgesetzte, die diesbezüglich ein angeborenes Talent besitzen. Ich bin daher wieder beim Thema "Dazulernen", das ich Ihnen schon früher ans Herz gelegt habe.

Damit bin ich jetzt aber schon sehr weit in Ihrer Zukunft gelandet und möchte zum heutigen Tag zurückkehren. Ich gratuliere Ihnen sehr herzlich zur Erreichung Ihres Studienabschlusses, hoffe, daß Sie den heutigen Tag im Kreise Ihrer Verwandten und Freunde noch sehr genießen werden, und wünsche Ihnen für Ihre berufliche und private Zukunft alles, alles Gute und viel Erfolg.