Festrede von Dipl. Ing. Stefan ROHRINGER, Vice President Development Center Graz Infineon Technologies anlässlich der Sponsionsfeier am 10.3.2005 an der Technischen Universität Graz

Begrüßung

Herzlichen Dank für die Einladung, heute mit Ihnen diesen Abschluss Ihres Studiums feiern zu dürfen.
Sie werden in Kürze – ich verspreche, Sie nicht zu lange aufzuhalten – junge Absolventen der Technischen Universität Graz sein.

Nach Jahren intensiver Ausbildung wird Ihnen heute die akademische Würde verliehen und Sie können nun Ihr an der Universität erworbenes Wissen in der Wirtschaft oder Forschung umsetzen und damit an der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft mitwirken.
Ich kann Ihnen versichern, es wartet eine spannende Zeit auf Sie. Die Wirtschaft und die Gesellschaft benötigt ihr Know-How und Wissen.

Sie haben sich viel Wissen angeeignet, erarbeitet und aufgenommen. Dieses Wissen lässt sich grob in unterschiedliche Kategorien einteilen:
• Technologie – was steht uns zur Verfügung, was kann sie leisten
• Theorie als Unterbau – wieso funktionieren die Dinge so
• Anwendungen – wo und wie nutzen wir diese Möglichkeiten, welchen Nutzen haben wir als Kunden davon
• Methodik – wie erarbeite ich neues Wissen, neue Erkenntnisse, wie überwinde ich Blockaden auf dem Weg zu Neuem
Ich weiß, dass wir als Unternehmen uns auf die hochklassige Ausbildung durch die TU Graz verlassen können – an dieser Stelle auch ein Dank von meiner Seite – den Sie sicher mittragen - an alle Lehrenden und Forschenden an der TU Graz.
Aber wie lange reicht dieses Wissen für die Bewältigung der vor Ihnen liegenden Aufgaben?
Manche Aspekte des Wissens wohl für immer, manche aber sicher nur noch sehr kurz bei einer Halbwertszeit des Wissens, die in manchen Bereichen der Hochtechnologie bei nur noch 3 Jahren liegt.
Wie lange ist es „haltbar“?

Ich muss Sie enttäuschen, falls Sie gehofft haben, die „Lernerei“ hinter sich zu haben: Das Lernen beginnt jetzt erst so richtig!

Das Tempo des Fortschritts, an das wir uns schon so gewöhnt haben, das rasante Wachstum des Wissens in einer globalen Forschungsgemeinschaft, der globale Wettbewerb um Märkte, Produkte und Mitarbeiter erfordert ein lebenslanges Lernen von uns Menschen und den Unternehmen als Organisationen.
Es gibt ein Bild, das die Situation in der wir uns alle befinden, sehr schön darstellt:
„Je größer die Insel des Wissens im Ozean der Unkenntnis,
desto länger ist die Küste des Zweifels.“
Laufend erweitern wir unseren Horizont und machen unmöglich Geglaubtes möglich. Das funktioniert so lange, so lange wir ständig weiter lernen.

Infineon Technologies ist die Nummer 4 weltweit unter den Halbleiterunternehmen. Damit gilt für uns ein fundamentales Gesetz, dass von Gordon Moore 1968 postuliert wurde und bis heute Gültigkeit hat, obwohl schon oft dessen Ende heraufbeschworen, ja geradezu bewiesen wurde:
Moore’s Law besagt, dass alle 1,5 Jahre die doppelte Anzahl von Transistoren auf der gleichen Fläche realisiert werden kann. Damit steigt kontinuierlich auch die Leistungsfähigkeit der Halbleiterbausteine.
Seit 30 Jahren gilt es nun.

Umgelegt auf die Fahrzeugindustrie hätten wir dann heute Autos, die 5.000.000 km/h schnell fahren können – das gäbe eine anders interessante Diskussion zu den heute diskutierten 160 - mit einem Tank 500.000 km weit kommen und nur 5 Euro Cent kosten.

Halbleiter sind eine wesentliche Schlüsseltechnologie für den Fortschritt. Wir alle nutzen sie heute schon sehr intensiv, teilweise sogar bereits ohne daran zu denken – im Auto (bis zu 30% Elektronikanteil), im Haushalt, in der Kommunikation und in vielen anderen Bereichen, die wir mit Elektronik assoziieren. Die jährlichen Neuheiten einer CeBIT, die heute eröffnet wurde, sind ohne Halbleiter nicht machbar.
Der Weg geht aber weiter und wir werden in Zukunft Begriffe wie ubiquitous computing, smart dust, intelligente Umgebung in unserem Sprachgebrauch finden. Anwendungen, wo wir uns der Einsatzes von Halbleitern gar nicht mehr bewusst sein werden.
Dieser Fortschritt fordert eine vielfältige Verantwortung gegenüber jeder einzelnen Person, der Umwelt, der Gesellschaft, dem Bedürfnis nach Sicherheit und Privatsphäre.

Infineon Technologies arbeitet schon heute an den Themen von Morgen im Rahmen von internationalen Kooperationen und Forschungsprojekten. Wir und alle anderen Unternehmen, brauchen dazu die besten Köpfe, die die besten Lösungen entwickeln. Es braucht Teams, die laufend lernen und so aus Bekanntem und den Antworten auf viele heute noch nicht gestellte Fragen, Innovation schaffen.

Ihr weiterer Weg wird Sie in die Wirtschaft, in die Forschung oder in die Lehre führen – oder in eine Kombination davon. Auf jeden Fall ist Ihnen die Bedeutung von Technik für Ihren verantwortungsvollen Aufgabenbereich bekannt. Geben Sie der Technik in der Gesellschaft den Stellenwert den sie verdient und halten Sie der TU Graz die Treue.

Forschung und Entwicklung wird für Österreich ein Schlüssel für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft sein. Die Kooperationen der Industrie mit der akademischen Welt mit einem hohen Anspruch an die zu erzielenden Standards sind die Voraussetzung für den Erfolg. In der einen oder anderen Form werden Sie Anteil an dieser Zukunft haben.

• Sie erhalten mit dem heutigen Tag den Nachweis, dass Sie viel erreicht haben – seien Sie stolz darauf, sie dürfen es sein.
• Bleiben Sie offen, es wird viel Unbekanntes auf Sie zukommen – Sie sind dafür gerüstet.
• Bleiben Sie flexibel, den Lebensjob ohne Änderung gibt es nicht mehr – es ist nötig.
• Erhalten Sie sich die Freude am Lernen, entwickeln Sie die Freude am Lehren – es macht Spaß.

Heute soll für Sie ein Festtag sein, der zugleich Ende und Anfang zweier Abschnitte darstellt. Der Blick zurück und der Blick nach vorne, beides soll heute Raum finden.
Ich wünsche Ihnen viel Freude an den Herausforderungen, viel Kraft, Energie und Teamgeist bei der Lösungssuche und viel Erfolg für den weiteren Lebensweg.
Nochmals ganz herzliche Gratulation zum Studienabschluss, zur Sponsion!