Festrede von Dipl. Ing. Stefan ROHRINGER, Direktor Development Center Graz Infineon Technologies anlässlich der Sponsionsfeier am 21.3.2003 an der Technischen Universität Graz

 Begrüßung

Herzlichen Dank für die Einladung in diesem Rahmen einige Worte an die jungen Absolventen der Technischen Universität Graz richten zu dürfen.
Die freundliche Einführung durch Sie, sehr geehrter Herr Dekan, lässt mich selbst auch wieder an meine eigene Sponsion zurückdenken.

Heute ist ein großer Tag für jeden einzelnen von Ihnen, aber auch ein großer Tag für die österreichische Wirtschaft. Nach Jahren intensiver Ausbildung wurde Ihnen heute die akademische Würde verliehen und Sie können nun Ihr an der Universität erworbenes Wissen in der Wirtschaft oder Forschung umzusetzen. Eine tolle Herausforderung und Chance, die ich vor nunmehr 15 Jahren auch wahrnehmen durfte, als ich genauso wie Sie hier gestanden bin; allerdings in Wien und in einem nicht so schönen, repräsentativen Rahmen wie hier an der TU Graz.

Ich kann Ihnen versichern, es wartet eine spannende Zeit auf Sie. Die Wirtschaft und die Gesellschaft benötigt ihr Know-How und Wissen.

Die Weltwirtschaft ist von einer immer größer werdenden Dynamik geprägt. Schnell wachsende Märkte und sich rasch ändernde Parameter stellen Unternehmen täglich vor neue Herausforderungen. Rasches Reagieren auf neue Rahmenbedingungen ist täglich gelebte Praxis. Neben der Geschwindigkeit ist das ständige Streben nach neuen Technologien ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor. Ein hoher Innovationsgrad ist Basis für wirtschaftliches Überleben und Bedingung für die Erweiterung der Marktsegmente. Das Erfolgsrezept ist, in immer kürzeren Entwicklungszyklen neue, anwendungsfreundliche Produkte zu entwickeln, zu fertigen und zeitgerecht auf den Markt zu bringen.

Diese hohe Dynamik muss bewältigt werden. Sie muss beherrscht werden und darf nicht uns Menschen beherrschen. Dieser Dynamik werden Sie sich und viele andere „Helle Köpfe“ – ich erlaube mir, diesen Ausdruck von Landesrat Dr. Paierl auszuleihen – jeden Tag stellen. Und ich bin überzeugt, Sie werden erfolgreich sein!

Heute werden Sie vielleicht denken, endlich sind der Prüfungsstress und das Lernen vorbei, es ist geschafft!
Doch Nein, es beginnt nun erst so richtig, nicht mehr mit weiteren Prüfungen, die einen genauen Termin, Ort und Prüfer zugeteilt haben, sondern mit Ihrer täglichen Arbeit, den neuen Herausforderungen, die die Zukunft für Sie und für uns alle parat hat. Das Lernen wird für Sie wichtig sein und bleiben. Ich wünsche Ihnen und den Unternehmen, in denen Sie arbeiten werden, dass Sie die Freude am Lernen, am Kennen Lernen erfahren und zu schätzen gelernt haben.
Welche Inhalte wird Ihr Job in zehn Jahren, oder wenn Sie doppelt so alt sind wie heute, für Sie bereithalten? Ich kann es nicht definitiv sagen. Sie werden es erfahren, Sie werden es lernen müssen.

Lassen Sie mich nun etwas in den Bereich der Mikroelektronik hineinblicken:
Sie beeinflusst und gestaltet heute schon weitaus größere Bereiche unseres Lebens, als wir das jemals für möglich gehalten hätten und weit über den Bereich Information und Kommunikation hinaus.
Beispielsweise leisten die unglaublichen Fortschritte bei den Biochips und die daraus resultierenden revolutionären Untersuchungsmethoden einen großen Beitrag zum Wohl der Gesellschaft und ermöglichen enorme Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen.
Der aktuelle Peugeot 607 hat in Summe die gleiche Rechenleistung wie der erste Airbus 300.
Mit einem modernen Handy steht Ihnen eine Rechenleistung zur Verfügung, die, entsprechend programmiert, ausreicht, um eine Mondlandung zu realisieren. Manchmal wollen wir unser Handy auch auf den Mond schießen, das ist allerdings eine andere Technologie.

Das 20. Jahrhundert war in der Industrie geprägt von einer Konzentration auf Produkte, Anwendungen und technologischen Fortschritt. Das bestimmte die neuen Entwicklungen.
Das 21. Jahrhundert wird sich nicht am technisch Machbaren orientieren, sondern an den Bedürfnissen der Kunden, und zwar an den ganz individuellen Bedürfnissen des Menschen. So brauchen wir alle Zugang zu Information; unsere Bedürfnisse in dem Zusammenhang sind aber sehr unterschiedlich, ob es sich um Themen der Freizeit, der Arbeit, der Gesundheit, des Vermögens oder der einfachen Kommunikation handelt. Damit liegen also noch viele Herausforderungen vor Ihnen.

Forschung wird daher in den nächsten Jahren in Europa noch mehr an Bedeutung gewinnen. Aktuell wurde das von der Europäischen Kommission am letzten Montag im EU Bericht zu Wissenschaft und Forschung bestätigt: Forschungskommissar Philippe Busquin hat an die Finanzminister der EU-Staaten appelliert, mehr in Forschung und Wissenschaft zu investieren, um den wachsenden Rückstand zu den USA aufzuholen. Forschung dürfe nicht als Budgetbelastung sondern als Investition in die europäische Wettbewerbsfähigkeit gesehen werden, sagte Busquin. Im Jahr 2000 investierten die USA 121 Mrd. Euro mehr in Forschung als die EU-Länder. Obwohl Europa weit mehr Forscher heranbildet als USA und Japan (2,14 Mio. Uniabsolventen in Wissenschaft und Technologie im Jahr 2000, verglichen mit 2,07 Mio. in den USA und 1,1 Mio. in Japan) und einige der besten Unis der Welt vorweist, hinkt es bei Schlüsselbereichen nach. So meldeten US- Firmen 1999 mehr als die Hälfte aller Patente weltweit an, die EU-Staaten hingegen nur 27,8 Prozent.

Wie Sie sehen haben wir in Europa einen intensiven Aufholbedarf in Sachen Forschung, Forschung & Entwicklung, der auch von der europäischen Politik unterstützt wird.
Sie sind die Wissensträger des neuen Milleniums, Ihr Know-How ist eine fundamentale Säule unsere Gesellschaft, um unser Leben durch Ihre Innovationen einfacher und sicherer zu gestalten.

Für diesen spannenden Weg wünsche ich Ihnen persönlich viel Erfolg, bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und gratuliere nochmals herzlich zum Studienabschluss, zur Sponsion