Festrede von Vorstandsdirektor Dipl.-Ing. Dr. Franz Strohmer, VA Tech Hydro anlässlich der Sponsionsfeier am 8. Juli 2004 an der Technischen Universität Graz

Sehr geehrter Herr Dekan,
sehr geehrter Herr Studiendekan,
verehrte Herren Professoren,
geschätzte Eltern und Angehörige,
vor allem aber liebe junge Kolleginnen und Kollegen!

Der heutige Tag ist für uns alle ein Grund zur Freude

- für Sie, die Absolventen, weil heute mit der Überreichung der Diplome der erfolgreiche
Abschluß eines langen und mühevollen Studiums dokumentiert wird

- für ihre Eltern und Familien, die durch ihre Unterstützung und vielleicht manchmal sogar
unter persönlichen Opfern einen wichtigen Beitrag zum Gelingen Ihres Studiums geleistet
haben und daher mit Recht stolz auf Ihren Erfolg sein können

- für Ihre Professoren und Assistenten, dass Sie wiederum gut ausgebildete Diplom-
ingenieure der Wirtschaft und der Wissenschaften zur Verfügung stellen

- und schlussendlich auch für mich, weil es für mich eine große Ehre und Freude zugleich
ist, dass ich aus Anlaß Ihrer Sponsion Ihnen einige Erfahrungen für Ihr Berufsleben
mitgeben darf – ich möchte mich für die Einladung dazu sehr herzlich bedanken.

Ich weiß, was der heutige Tag für Sie persönlich bedeutet. Nach Jahren intensiver Aus-
bildung wird Ihnen heute die akademische Würde verliehen. Dieser Tag wird denkwürdig
in Ihrer Erinnerung bleiben, bedeutet er doch die Beendigung eines Lebensabschnittes,
wo die Ausbildung im Mittelpunkt stand; gleichzeitig ist er Beginn eines neuen Lebens-
abschnittes, wo Sie das erworbene Wissen zum Nutzen der Gesellschaft – in der Wirtschaft
oder in der Forschung – einsetzen, aber auch im Laufe der Zeit vermehren werden.

Ich möchte Ihnen daher an dieser Stelle herzlichst gratulieren:
zum erfolgreichen Abschluß Ihres Studiums und zur Erlangung des akademischen Grades
eines Diplomingenieurs. -1-

Mit dem Abschluß Ihres Studiums haben Sie eine solide Basis und das intellektuelle Rüst-
zeug für Ihr künftiges Berufsleben und Ihre Karriere geschaffen – betrachten Sie dies jedoch nur als vorläufigen Schlußpunkt. Sie sind mit Ihrer Ausbildung noch nicht am Ende – Sie werden im Laufe der Zeit noch vieles dazulernen. Sie sind jedoch mit Ihrer Ausbildung in der glücklichen Situation, dass Sie damit zu jenen zählen, die in der Lage sind, die Zukunft mitzugestalten und dort Veränderungen einzuleiten, wo es notwendig ist.

Ständige und sehr rasche Veränderungen des wirtschaftlichen Umfeldes und der damit verbundenen Rahmenbedingungen werden Ihr zukünftiges Berufsleben bestimmen.
Welche enorme Entwicklungen und Veränderungen in der Technik möglich sind möchte
ich Ihnen am Beispiel meiner Studienzeit zeigen: Sie werden sich nicht vorstellen können,
dass es während meines Studiums noch keine PCs gab, kein Internet und keine Handys.
Der Rechenschieber – heute unbekannt – war unser wichtigstes Werkzeug und gegen
Ende des Studiums schrieben wir kleine Rechenprogramme, welche mittels Lochkarten
im Rechenzentrum eingelesen wurden.

Heute – 35 Jahre später - stehen wir mitten im Zeitalter der Telekommunikation und der Informationstechnologie. Der effiziente Einsatz dieser Technologie wird zu einem Schlüsselelement des zukünftigen Erfolges von Unternehmen, wobei die Innovations- und Produktzyklen immer kürzer werden.

Sie werden sich nun fragen, welche wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, welches industrielle Umfeld erwartet mich, wenn ich ins Berufsleben eintrete?

Die Weltwirtschaft ist von einer immer größer werdenden Dynamik geprägt. Schnell wachsende Märkte und somit rasche und laufende Veränderungen vom technologischen, wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und politischen Umfeld stellen Unternehmen vor
immer neue Herausforderungen.

Die Herausforderungen werden in der Bewältigung des Unerwarteten liegen. Das rasche Reagieren auf neue Anforderungen ist gelebte Praxis. Die Unternehmen werden mehr
als bisher gefordert sein, einen klaren Fokus auf Ihre Vision, Ihre Kreativität und Ihre
Lernfähigkeit zu haben.
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Die Führungskräfte – und Sie sehr geehrte Damen und Herren, sind dazu ausersehen solche zukünftig zu sein, - sind mit Ihrem erworbenen Wissen und mit Ihrer Kompetenz die unent-behrlichen Motore für die Gestaltung der Visionen und der Umsetzung der daraus abgeleiteten Strategien. In immer kürzeren Entwicklungszyklen müssen neue Produkte entwickelt, gefertigt und zeitgerecht auf den Markt gebracht werden, wobei diese noch effizienter, kundenorientierter und wettbewerbsfähiger zu gestalten sind. Ein hoher Innovationsgrad ist daher Basis für die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens.

Diese fordernde Dynamik gilt es zu bewältigen. Leadership der Führungskräfte ist gefordert –
dies bedeutet Führen durch Visionen und Ziele, die notwendigen Ressourcen zu mobilisieren, Mitarbeiter von den Zielen zu überzeugen und dafür zu begeistern.


Sie werden sich aber auch die Frage stellen, was erwartet andererseits die Wirtschaft von mir?

Sie gehören nun zu jener Gruppe von Menschen, die mit Ihrem erworbenen Wissen auch ein
hohes Maß an Verantwortung übernehmen werden; neben der fachlichen Kompetenz sind
Fähigkeiten unter dem Begriff „soft skills“ gefordert: es sind dies Begriffe wie Führungs – und Sozialkompetenz, Durchsetzungsvermögen und Leistungsbereitschaft, Eigenverantwortung, Flexibilität, Mobilität, interkultureller Umgang und vor allem unternehmerisches Denken und Handeln, d.h. Ziele identifizieren, vorgeben und deren Entwicklung konsequent verfolgen. Offenheit zu anderen Kulturen und Sprachräumen, sowie Teamfähigkeit ergänzen diese Fähigkeiten.

Die Fähigkeit, Mitarbeiter zu führen, Teams zu coachen und zu Höchstleistungen zu motivieren, Entwicklungen des Marktes und des wirtschaftlichen Umfeldes rechtzeitig
zu erkennen und entsprechende Strategien zu entwickeln sind mit Sicherheit wesentliche
Erfolgskriterien für die Zukunft.

Es ist auch Aufgabe der Führungskräfte eines Unternehmens die Mitarbeiter auf Veränderungen einzustimmen, Ihnen die Angst vor Veränderungen zu nehmen.


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In unserer Vision heißt es u.a. „Es sind unsere Mitarbeiter, die diese Dinge in die Tat
umsetzen auf Basis von Vertrauen, Fairness und Integrität. Daher fördern wir Kreativität,
Vielfalt und persönliche Entwicklung“. Die Mitarbeiter mit ihrer technischen Kompetenz, mit ihrer Innovationskraft und ihrem Engagement sind ein wertvolles Kapital zur Erreichung der Unternehmensziele.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle auch ein paar Worte zum Ansehen des Technikers, befindet sich doch dieser immer stärker im Spannungsfeld von Gesellschaft und Umwelt:

Sie werden in eine Gesellschaft eintreten, in der es in der Vergangenheit einen Wertewandel
gab, was das Image des Technikers betrifft. Das gesellschaftliche Image des Technikers hat
in den vergangenen Jahren, in der sich das Umweltbewusstsein in einem vorher nicht ge-
kannten Ausmaß entwickelt hat, einen unverdienten Tiefstand erreicht. Wir müssen uns da-
für einsetzen, dass das Ansehen des Technikers wieder jenen Stellenwert in der Gesell-
schaft einnimmt, der ihm entspricht.

Ich meine, dass gerade wir Techniker zur Bewältigung der Probleme der nächsten
Jahrzehnte wesentlich beitragen können und auch werden: die Weltbevölkerung wird bis
2020 auf etwa 8 Mrd. Menschen anwachsen, damit verbunden ist sicherzustellen die aus-
reichende Versorgung mit Energie, Nahrung und Wasser. Die aktuelle Klimaschutzdiskus-
sion stellt uns vor höchste technologische, ökologische und ökonomische Anforderungen.
Damit steigt die globale Verantwortung für diese Entwicklung, um nicht ungewollt Neben-
effekte zu erreichen. Eine Reihe von Unternehmen werden sich der globalen Verant-
wortung was „Nachhaltigkeit“ betrifft immer stärker bewusst.

Nach dem Brundtland Report ( 1987 ) ist Nachhaltigkeit das Leitbild einer Entwicklung,
die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger
Generationen einzuschränken, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen – oder in
anderen Worten „unser wirtschaftliches Handeln darf die Lebenschancen der nach-
folgenden Generationen nicht beeinträchtigen“.

Eine Herausforderung, der sich verantwortungsbewusste Unternehmen stellen – denn
nachhaltiges Handeln und wirtschaftliche Prinzipien sind keine Gegensätze, sondern
bedingen und fordern einander. -4-

Nachhaltige Entwicklung – also das Handeln nach ökonomischen, ökologischen und
sozialen Kriterien – ist somit aktueller denn je. Immer mehr muss danach getrachtet werden,
Umwelt- und Sozialstandard weltweit zum Durchbruch zu verhelfen und auch benach-
teiligten Regionen an sozialen und gesellschaftlichen Errungenschaften teilhaben zu
lassen. Für uns als Techniker bedeutet „Nachhaltigkeit“ – ökologisch, technisch und
wirtschaftlich die beste Lösung zu entwickeln und anzubieten – und das ist – wie schon
erwähnt - kein Widerspruch.

Ich bin sehr glücklich, dass ich heute ein Unternehmen mitgestalten darf, dass auf dem Gebiet der mechanischen und elektrischen Ausrüstung für Wasserkraftwerke zu den weltgrößten und vor allem zu den Technologieführern zählt und das sich eben dieser
Verantwortung der Nachhaltigkeit bewusst ist.

Nun - sehr geehrte Absolventen - von den globalen, wirtschaftlichen und nachhaltigen Betrachtungen zurück in die Aula der Technischen Universität.

Sie haben sich mit der Ausbildung an einer renomierten österreichischen Universität
eine exzellente Grundlage für die Zukunft geschaffen. Setzen Sie auf diese Basis Ihre Weiterbildung und passen Sie sich den raschen Veränderungen an.

Kombinieren Sie Ihre erworbene Ausbildung und Ihre Fähigkeit mit Einsatzwillen und
der Bereitschaft zur Übernahme von neuen Herausforderungen und vor allem auch
zur Übernahme von persönlicher Verantwortung – dann werden Sie Ihren Weg
in die Zukunft erfolgreich beschreiten.

Bedenken Sie aber auch, dass Karriere nicht nur ein Ergebnis von Fleiss und fachlicher
Fähigkeit ist, es gehört auch immer das notwendige Quäntchen Glück dazu.
Dieses wünsche ich Ihnen ebenso wie Freude und Spaß an Ihrem Beruf, sowie viel Erfolg für Ihre berufliche und private Zukunft!

Glück auf!